Offener Brief: Migrationsmuseum in angemessenen Räumen sichern
In Deutschland leben rund 25 Millionen Menschen mit eigener oder familiärer Migrationsgeschichte. Diese Geschichten als fester Bestandteil unserer Gesellschaft müssen museal erzählt werden.
Die einzigartige Sammlung des “Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland” (DOMiD e.V.) umfaßt die bundesweit größte Sammlung von sozial-, kultur- und alltagsgeschichtlichen Zeugnissen dieser Migrationsgeschichte. Das geplante Museum SELMA macht diese Einwanderungsgeschichte erlebbar.
Die Planungen für den Standort in den ehemaligen Industriehallen in Köln-Kalk laufen seit 10 Jahren und sind weitgehend abgeschlossen. Der Architektenentwurf wurde mit dem German Design Award 2026 ausgezeichnet.
Diese Pläne wurden gestoppt, weil Gelder fehlen. Bund und Land hatten befristet bis zum 31.12.26 rund 44 Millionen Euro Fördergelder bereitgestellt. Die Stadt Köln stellte das Grundstück und zwei sanierungsbedürftige Hallen. Aufgrund gestiegener Bau- und Sanierungskosten sind Mehrkosten von rund 33 Millionen entstanden. Statt die ursprünglichen Pläne umzusetzen, soll das Museum SELMA jetzt auf einem Fünftel der geplanten Fläche in der Kölner Innenstadt untergebracht werden.
“Es geht um einen Ort, an dem Deutschland sich als Einwanderungsland entdecken und verstehen lernen kann”, so Rita Süßmuth, frühere Schirmherrin des Projekts und Bundestagspräsidentin. Ein solches Museum gehört an einen Ort wie Köln-Kalk, der industriell und migrantisch geprägt ist. Das Museum SELMA ist zudem ein Leuchtturm-Projekt für die Entwicklung des strukturschwachen Stadtteils Kalk.
Wir meinen: Der Bau eines solchen bundesweit bedeutsamen Museums darf nicht an 33 Millionen Euro Mehrkosten scheitern. Für ein Projekt von solcher Strahlkraft und überregionaler Bedeutung sind auch 77 Millionen Euro nicht zu viel Geld.
- Wir appellieren an Bund und Land, die Verfristung der Fördergelder auszusetzen und die Zuwendungen zu erhöhen.
- Wir appellieren an die Stadt Köln, für den Museumsbau aktiv zu werden und für eine ausreichende Finanzierung des Museum SELMA zu sorgen