Das Museum SELMA braucht Kalk - und Kalk braucht das Museum SELMA
Ein Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland (DOMiD) - diese Idee ist über 30 Jahre alt und nun in greifbarer Nähe. Viele Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte waren und sind begeistert von dem Prozess, der zum Konzept dieses Museums geführt hat. Das nun als Museum SELMA bekannte Haus soll in die großartige Halle 70 des ehemaligen KHD-Geländes in Köln Kalk:
- Ein Museum, das die Geschichte der Migration in diesem Land neu erzählt, als Geschichte von handelnden Personen, nicht von Problemen.
- Ein Haus, das die Perspektive der Migration in den Mittelpunkt stellt, Migration entdramatisiert und Deutschland als Migrationsgesellschaft erlebbar macht. Und schließlich:
- Ein Museum, das auch aufgrund der Aura seines Ortes und seiner besonderen Ausstattung ein Magnet für Besucher*innen ist.
Im März 2026 wurde öffentlich, dass das Museum SELMA nicht wie geplant gebaut werden soll. Das Deutsche Museum der Einwanderungsgesellschaft soll nicht in einer repräsentativen Fabrikhalle im Arbeiter-Stadtteil Köln-Kalk auf 10.000 m² Fläche entstehen. Es soll stattdessen in das Völkerkunde-Museum in der Innenstadt integriert und auf einen Bruchteil der Fläche reduziert werden, weil die Umsetzung des eigenen Hauses in Köln Kalk mehr Geld kostet als geplant. Zur Verfügung stehen 44 Millionen Euro, es fehlen 33 Millionen Euro.
Der jetzt geplante Ort wird der Bedeutung seines Auftrags nicht gerecht. Die Geschichte der Zuwanderung in Deutschland wird an den Rand gedrängt, anstatt sie in einem würdigen und lebendigen eigenen Haus zu feiern. Das seit über 30 Jahren gewachsene Konzept des DOMiD e.V. kann an dem nun vorgeschlagenen Ort seine so dringend notwendige Wirkung nicht entfalten.
Hier geht es um mehr als nur um den Neubau irgend eines Museums.“Es geht um einen Ort, an dem Deutschland sich als Einwanderungsland entdecken und verstehen lernen kann”, so Rita Süßmuth, frühere Schirmherrin des Projekts und Bundestagspräsidentin. Ein solches Museum gehört an einen Ort wie Köln-Kalk, der industriell und migrantisch geprägt ist. Das Museum SELMA ist zudem ein Leuchtturm-Projekt für die Entwicklung des strukturschwachen Stadtteils Kalk.
Der Wind hat sich gedreht in Deutschland. Radikale Fremdenfeindlichkeit, Ausgrenzung, Haß und Hetze gegen Menschen mit internationaler Familiengeschichte sind wieder mehrheitsfähig. Zunehmend reaktionäre Kultur- und Bildungspolitik in Bund und Land bringen migrantische und migrationsfreundliche Stimmen zum Verstummen und behindern das politische und das zivilgesellschaftliche Engagement für Vielfalt und friedliches Zusammenleben.
Umso wichtiger ist der Bau eines bundesweit so bedeutsamen Museums, der nicht an 33 Millionen Euro Mehrkosten scheitern darf. Für ein Projekt von solcher Strahlkraft und überregionaler Bedeutung sind auch 77 Millionen Euro nicht zu viel Geld.
- Wir appellieren an Bund und Land, die Verfristung der Fördergelder auszusetzen und die Zuwendungen zu erhöhen.
- Wir appellieren an die Stadt Köln, für den Museumsbau aktiv zu werden und für eine ausreichende Finanzierung des Museum SELMA zu sorgen.